Reisebericht Frühjahr 2017, Kita und Krankenstation

Meine Reise nach Dakar und in die Casamance war unglaublich intensiv.

Die Reisegruppe hat sich sehr gut verstanden und Sigi und Abdoul haben uns toll geleitet.

 

Wir haben eine Reihe von interessanten Projekten besucht:

Allen voran die Kita in Dakar und die Krankenstation in Barafaye, die beide vom Verein Hilfe für den Senegal e. V. in Darmstadt unterstützt werden.

 

Ferner waren wir in einem Botanischer Garten in Kafountine, der nach Permakultur­grundsätzen arbeitet und in einem sog. Frauengarten in Colomba, wo Frauen Lebensmittel zur Vermarktung und zum Eigenbedarf anbauen.

Abschließend haben wir ein Ausbildungszentrum in Abene besucht, das von den Niederländern finanziert errichtet wurde und nun unter Eigenregie der Senegalesen verwaltet wird.

 

Nun die wichtigsten Aspekte zur Kita in Dakar:

Schon am Flughafen hat uns Aida mit ein einigen Kindern und Betreuerinnen herzlich empfangen. Sonntags war die ganze Reisegruppe (7 Personen) zu einem vorzüglichen Frühstück bei Aida zu Hause eingeladen.

Montags darauf waren wir in der Kindertagesstätte und wurden herzlichst begrüßt. Die Kinder haben für uns gesungen und gemalt auch einige Eltern ließen es sich nicht nehmen, uns kennenzulernen.

 

Die Kita für behinderte und nicht behinderte Kinder wird sehr gut angenommen. Eigentlich sind die Räumlichkeiten (drei Zimmer, Küche und Bad) für 15 Kinder ausgelegt, doch inzwischen gehen 30 Kinder regelmäßig in die Einrichtung. Das ist ganz schön eng, zumal es keinen Außenbereich zum Spielen gibt.

 

Da auch einige Kleinstkinder darunter sind, wird einer der drei Räume als Schlafraum genutzt. Die Mithilfe der Kinder mit Behinderungen bei der Betreuung der Kleinsten ist unverzichtbar. Sie übernehmen eine wichtige Aufgaben und werden gebraucht.

Wenn der Zustrom weiter anhält, wovon auszugehen ist, sollten auch neue Betreuerinnen hinzukommen. Es gibt also viel zu tun!

 

Fazit:

Die Kita läuft sehr gut.

Der Bedarf an weiteren Betreuungsplätzen ist immens.

Neue Räume werden dringend benötigt.

Weitere Betreuungspersonen werden zeitnah gebraucht.

 

Ausblick:

Aida ist auf der Suche nach einem geeigneten Terrain, um dort eigene Liegenschaften bauen zu können.

Dann wird der künftige Finanzbedarf ermittelt.

 

Krankenstation in Barafaye im Süden des Senegal:

Der Empfang in Barafaye war unglaublich. Sigi – unsere Mama Afrika – wurde begrüßt wie eine Königin und Abdoul wie der Prinzgemahl.

Das ganze Dorf war festlich gekleidet und alle haben Musik gemacht. Der Bürgermeister, der Imam und viele wichtige Leute hielten stundenlang Ansprachen, die immer wieder durch Tanz und Musik aufgelockert wurden.

Unglaublich, wie dankbar die Menschen sind.

Die Krankenstation soll noch um zwei Gebäude erweitert werden, damit die Hebamme und der Krankenpfleger jeweils mit ihrer Familie dort wohnen können. Wir haben im „Baumarkt“ in Bigniona das Material bestellt und vor Ort bar bezahlt. Mahmadou wird als Koordinator vor Ort nach dem Rechten sehen.

Jutta Koop


PALIMPALIM

PalimPalim bezeichnet umgangssprachlich jene Bodenwellen und Schlaglöcher, die sich über alle Straßen des westafrikanischen Landes Senegal verteilen und einem jede Autofahrt vermiesen können

 

Am 27.01.2015 um 2 Uhr Nachts begann das große Abenteuer „Senegal“ im ziemlich lauten und überfüllten Dakar. Zum Glück wurden wir von einem Auto, dass uns die ganze Reise zur Verfügung stehen sollte, abgeholt. PalimPalim - hallo Dakar City: Viele Eindrücke zu dieser späten Stunde, die gar nicht so richtig aufgenommen werden konnten. Schnell musste unsere Gruppe lernen, dass in Afrika nicht immer alles nach Plan läuft, und so zogen wir in ein Hotel, das etwas weiter entfernt vom Stadtzentrum lag als gedacht. Nicht weiter betrübt durch diese Planänderung fielen wir alle, todmüde von der Reise, in unsere Betten.

 

Die nächsten Tage verbrachten wir damit, uns wieder zu akklimatisieren, Geld zu wechseln und uns mit der Stadt vertraut zu machen. Obwohl wir quer durch Dakar fuhren und Sigi (El Presidente) uns an schöne und verwinkelte Orte führte, war und ist es wohl sehr schwer diese Stadt in wenigen Tagen ganz zu erfassen und zu verstehen, auch nach einem Monat gibt es mit Sicherheit noch viel zu sehen. Wir nutzten diese 3-4 Tage dazu, das neueste Projekt des „Hilfe für den Senegal“ Vereins zu besuchen: eine Schule für behinderte und nicht behinderte Kinder im Vorort Ouakam. Ich begegnete den Kindern anfangs mit der gleichen Vorsicht, mit der sie auch mir begegneten, doch mit der Zeit wurde man sich immer vertrauter. Wir besuchten diese Schule noch öfters in diesem Monat und im Laufe der Zeit freute es mich immer wieder, mich mal einige Stunden mit den Kindern hinzusetzen und spielen oder malen zu können. Aida, die Leiterin der Schule und Hauptansprechpartnerin des Vereins im Senegal, hat in kürzester Zeit und mit viel Liebe diese Schule aufgebaut, die mittlerweile schon 11 Kindern einen Platz zum Lernen bietet. Das hat mich sehr beeindruckt und glücklich gemacht!

An einem Tag besuchten wir die frühere Sklaveninsel Ile de Goree, die man mit einer Fähre von Dakar aus erreichen kann. Es war interessant durch die kleinen Gassen auf dieser Insel zu wandern, um endlich an der Spitze anzukommen, von der aus man einen wunderschönen Blick auf die Skyline von Dakar und auf das offene Meer hat. Ile de Goree hat sich mit den Jahren zu einer Künstlerinsel gewandelt, und so gab es neben dem schönen Ausblick und den malerischen Gassen auch noch einiges an Augenschmaus mehr.

 

Bald sollte die Reise in den Süden des Landes, nach Ziguinchor, angetreten werden. Diese Reise sollte 12 Stunden Autofahrt, die Grenzüberschreitung in Gambia, die Überquerung des Gambia River mit einer Fähre und gefühlte eine Millionen PalimPalims bedeuten. Die Gruppe war mittlerweile vollständig und somit reisten wir mit acht Personen. Ich durfte mir es mit zwei weiteren im Kofferraum bequem machen. Das war zwar nicht immer das Gemütlichste, doch es hatte auch etwas Abenteuerliches. Durch die Scheiben unseres Wagens konnten wir das Leben außerhalb der großen Städte beobachten und auf den Fahrten durch die kleinen Dörfer begegneten uns immer wieder kleine Kinder, die uns zuwinkten und freudig begrüßten. Es war schon dunkel, als wir in den Umkreis von Ziguinchor kamen und das ganze Spektakel, das an unseren Fenstern vorbeizog, war bei Nacht fast noch schöner zu betrachten. Es wurde ganz still im Auto, während wir an Lagerfeuern vorbeifuhren, an denen gerade Initiationsriten gefeiert wurden und Kinder mit Holzmasken die Straße überquerten. Die ganze Atmosphäre war sehr mystisch, wenn auch manchmal etwas unheimlich. Noch ein letztes PalimPalim - endlich angekommen und ab ins Bett.

 

Die nächsten Tage in Ziguinchor waren sehr spannend. Am 30.12. besuchten wir ein öffentliches Konzert. Der riesige Platz war voller Menschen und wir mittendrin, trotzdem habe ich mich nie unwohl gefühlt. Die Senegalesen sind ein sehr offenes Volk und somit findet man schnell Anschluss. Auf diesem Konzert ist mir aufgefallen, dass sie ein ziemlich starkes Zusammengehörigkeitsgefühl ausstrahlen, aber auch uns, die wir ja irgendwie nicht dazu gehörten, trotzdem nicht ausschlossen oder komisch behandelten. So konnten wir ungestört mit ihnen zusammen lachen und tanzen, auch wenn wir den eigentlichen Hauptact (Salif Keita) nicht mehr sehen konnten. Mit der Pünktlichkeit nehmen es die Senegalesen nicht so eng und so war er, als wir um 3 Uhr Nachts wieder im Hotel ankamen, immer noch nicht unterwegs. Dennoch konnte Sigi ein Foto mit ihm ergattern, womit sie alle anderen, denen sie das Bild zeigte, höllisch neidisch machte.

Der nächste Tag war für mich persönlich einer der schönsten und aufregendsten. Wir brachen relativ früh auf, um das Dorf „Barafaye“, in dem der Verein die Krankenstation errichtet hat, zu besuchen. PalimPalim - man hörte die Musik schon von weitem. Als wir aus dem Auto stiegen, wurden wir vom gesamten Dorf empfangen, das extra für uns ein ganzes Fest auf die Beine gestellt hatte. Wir wurden mit schallender Musik begrüßt, die nur durch Metallstücke, Trommeln und Gesang erzeugt wurde. Die Dorfbewohner legten uns selbstgemachte Ketten um den Hals und führten uns auf einen Platz, wo wir neben den Dorfältesten und dem Bürgermeister auf einer Art Tribüne Platz nehmen durften. Fast zweieinhalb Stunden ging das bunte Treiben, welches uns nun vorgeführt wurde. Die Wilden Tänze in Verkleidungen und Masken hatten etwas von einem Ritual und es kam mir vor, als wären wir die einzigen, die dieses nicht so ganz verstanden. Trotzdem waren wir total begeistert von dem wilden Beingewackel und dem fröhlichen, offenen Gemüt der Dorfbewohner. Als sie uns zum mittanzen aufforderten wurde man nun gänzlich von der Stimmung mitgerissen, und als wir in den nächsten Teil unseres Besuches übergingen, die Besichtigung der Krankenstation, feierten sie noch lange weiter. Die Krankenstation liegt am Anfang des Dorfes und beinhaltet im hinteren Gebäude eine Geburtenstation, in der schon einige Kinder auf die Welt gekommen sind. Nachdem die Leiter des Vereins all das erledigt hatten wofür wir eigentlich gekommen waren, Materialien überreichen, mit dem Bürgermeister sprechen, trafen wir uns im Dorf um mit einigen anderen, um noch etwas zu essen. Frauen des Dorfes hatten für uns einen großen Topf Reis mit Gemüse und Fisch und eine Platte mit Salat vorbereitet. Wir setzten uns alle zusammen auf eine große Decke vor ihren Lehmhäusern und aßen mit den Händen die leckeren Speisen. Auf der Rückfahrt mussten noch einige Organisatorische Dinge erledigt werden, und so gab es noch ein ganz schönes hin und her mit der „Firma“ (eher ein Tante Emma Laden), bei der die Materialien für die Fertigstellung der Mauer rund um die Krankenstation besorgt werden sollten. Um in Afrika wirklich etwas auf die Beine zu stellen braucht man sehr viel Geduld und vor allem muss man sehr tolerant sein, da es nicht immer einfach ist die Dinge am Laufen zu halten. Ich bin besonders beeindruckt davon, wie Sigi immer am Ball bleibt und nicht aufgibt, auch wenn wir oft genug erleben konnten, wie schwer ihre Arbeit manchmal sein kann.

Den darauffolgenden Silvesterabend verbrachten wir in unserem „Hotel Auberge“. Die Silvesterparty war ziemlich verrückt und ein großer Unterschied zu dem, was wir aus Deutschland gewohnt waren. Neben einem Buffet und der Neueröffnung eines Fernsehsenders wurde uns eine Modenschau mit bunter, afrikanischer Abendmode geboten. Nochmal zum Thema Pünktlichkeit: Mit fünf Minuten Verspätung stießen auch die Senegalesen endlich zum neuen Jahr an, nachdem wir uns schon alle beglückwünscht hatten, trotzdem macht sie das irgendwie sympathisch. Müde von den ganzen Eindrücken des Tages, hielten wir nicht allzu lange durch und verabschiedeten uns schon um halb zwei zum Schlafengehen, außerdem sollte es am nächsten Tag nach Kabrousse weitergehen.

 

PalimPalim - Weiße Sandstrände, Palmen und blaues Wasser. Einen Strand wie in Kabrousse hatte ich zuvor noch nie gesehen. Die Strände waren menschenleer und wir mussten sie lediglich mit ein paar Kühen teilen, die es sich am Wasser in kleinen Herden bequem gemacht hatten. In ganz Senegal sah man Kühe sehr oft am Strand. Warum sie sich dort aufhielten ist mir nicht bekannt, es störte aber auch nicht weiter. In Kabrousse war nun Entspannung angesagt, was ich als eine schöne Abwechslung zu den lauten Großstädten emfand. Wir konnten am Meer entspannen und lesen, aber auch Strandspaziergänge nach Cap Skirring, eine größere Stadt etwa 1 Stunde zu Fuß von Kabrousse entfernt, unternehmen. Dabei kam man an den einheimischen Fischern vorbei, und wir hatten das Glück ihre Ausbeute des Tages betrachten zu können, darunter viel Fisch, Krebse und riesige Seeschnecken. An einem Tag besuchten wir ein traditionelles Dorf namens „Djemberene“. Wir kamen an eine heilige Quelle, aus der laut einer Sage Wasser entsprungen war, nachdem ein Marabou (islamischer Heiliger und Kopf einer Bruderschaft) Rettung für das Dorf aus einer Trockenzeit vorausgesagt hatte. Man konnte sich die Hände mit dem heiligen Wasser waschen und sich etwas für sich oder seine Familie wünschen. Dieser Ort, mit seiner Spiritualität, hatte für mich etwas Einzigartiges und Heiliges.

Djemberene ist bekannt für seine riesigen Fromager-Bäume, die meterhohe, nach oben stehende Wurzeln besitzen. Am Eingang des Dorfes befand sich ein kleiner Wald mit jenen Bäumen, in dem wir uns einige Zeit aufhielten um diese monströsen Gewächse zu bestaunen. Auf dem Weg durch das Dorf begegneten uns immer wieder kleine Kinder, die uns an die Hand nahmen und uns zum Dorfplatz führten, auf dem der größte dieser „Fromagers“ stand, dessen Äste fast bis zu den Dächern der umherliegenden Häuser ragte. An diesem Platz galt es eine kleine Pause einzulegen. Wir redeten mit den Kindern, machten Bilder mit und von ihnen, was sie unglaublich freute. Am Nachmittag traten wir die Rückfahrt nach Kabrousse an. Ein weiteres Highlight bestand in einem Abendessen direkt am Strand bei Lagerfeuer und Sternenhimmel. Da Sigi quasi in jeder Stadt, in der wir uns aufhielten, mindestens 10 Familien kannte und auch immer jedem etwas mitbrachte, lernte der Rest der Gruppe an diesem Abend Süleyman kennen, der ein kleines Strandlokal führte. Mit viel Engagement hatte er uns eine kleine Tafel im Sand aufgebaut und servierte uns super- leckeren Fisch, den er einzig mit einem Gasbrenner in einem kleinen Raum hinter seiner Theke zubereitete. Immer wieder ist es faszinierend, was diese Menschen mit so wenigen Mitteln zaubern können und wie viel Mühe sie sich für einen geben.

 

 

Nachdem wir an diesen Tagen weitere schöne Stunden am Strand genießen konnten, ging es bald wieder - PalimPalim - zurück nach Dakar. Der Aufenthalt in Dakar sollte als Zwischenstop dienen, und so verbrachten wir nur wenige Tage dort. Trotzdem blieben sie nicht ungenutzt. Wir gaben weitere Materialien in Schulen ab, besuchten Familien, denen Sigi ebenfalls etwas mitbrachte und schauten bei dem kleinen Boubaka vorbei, welcher das Patenkind eines Deutschen Vereinsmitglieds ist und monatlich seine Unterstützung erhält. Wir holten seine Zeugnisse ab und sprachen mit seiner Lehrerin. Die Schule, die er besucht, ist eine Privatschule. Für mich persönlich war es sehr interessant zu sehen, wie Boubaka und seine Klassenkameraden in Dakar unterrichtet werden.

An einem anderen Tag machten wir einen Ausflug zum „Lac Rose“. Ein Salzsee, der für seine rosarote Farbe bekannt ist. Der hohe Salzgehalt im Wasser ist die Ursache für die Färbung und sorgt auch dafür, dass man wie im toten Meer auf der Wasseroberfläche dahintreiben kann, was uns allen sehr viel Spaß machte und zu vielen Albernheiten verleitete. An diesem Abend mussten wir uns schon nach der Hälfte der Zeit von zwei Gruppenmitgliedern verabschieden, die wieder zurück nach Deutschland flogen. Von Gitti, die sich tapfer mit meinem Freund Yanik und mir den Kofferraum geteilt hatte und von Abdoul, der uns sicher von einer zur nächsten Station gefahren hatte und uns immer ein guter Ansprechpartner war, wenn es darum ging, sich nicht von den afrikanischen Feilschern (auch Banditen genannt) übers Ohr hauen zu lassen. Nach einem leckeren Crêpe ging es für die beiden zum Flughafen und für uns andere ins Bett, denn bald sollte es schon weiter nach St. Louis gehen.

 

Abdoul wurde von seinem Neffen Lamin abgelöst, der mit uns weiter in das nördlich gelegene St. Louis fahren sollte. PalimPalim - kleiner Schock. Schon beim Einfahren in die alte Kolonialstadt kam uns eine Duftwolke der besonderen Art vom Meer und den Flussläufen entgegen. Die Stadt, die aufgrund der Kolonialhäuser sehr schön anzusehen war, war aber auch gleichzeitig eine Fischerstadt. Sie bestand aus zwei Inseln, die vom Festland her über zwei Brücken zu erreichen war. Unsere Bungalowanlage, die direkt am Meer lag und eigentlich ziemlich schön war, befand sich an der westlichsten Spitze der hintersten Insel. Um zu unserer Anlage zu gelangen, musste  man einen Stadtteil passieren, der nur von den einheimischen Fischern bewohnt wird und auf jenen folgte ihre Anlegestelle. Was sich uns dort bot kann ich nur versuchen zu beschreiben, auch wenn ich weiß, dass man es sich nur schwer vorstellen kann. Der besagte Stadtteil wurde weder von Gesetzen noch von der Polizei geregelt. Streitigkeiten klärten die Bewohner unter sich, erklärte uns Sigi. Wir teilten uns die Straße mit 100ten von Kindern, Ziegen, Schafen, Hunden, Katzen Pferdewagen und Pelikanen, die in St. Louis allgegenwärtig waren. Als wir diesen Stadtteil zum ersten Mal passierten konnten wir nicht wissen, dass uns das Beste noch bevorstand.

Unsere Fenster waren geöffnet, als wir an die Anlegestelle kamen und so traf uns der Gestank gänzlich unvorbereitet. Der Fisch war überall: Er wurde frisch gefangen an einheimische Frauen direkt an den Booten verkauft, wurde am Straßenrand geräuchert oder ausgenommen, wurde in Laster verladen, die zu 100ten an den Booten hielten, wurde auf Pferdekarren durch die Gegend transportiert, oder lag tot und vergammelt am Boden. Dieser Geruch vermischte sich mit dem Müll, der sich vom Fischerstadtteil bis zu jener Anlegestelle ausgebreitet hatte und mit den Hinterlassenschaften sämtlicher Tiere, die in den Müllbergen ihr Unwesen trieben. Um der Vorstellungskraft ein bisschen nachzuhelfen brachte Sigi einen  sehr passenden Vergleich: den Fischmarkt aus „Das Parfum“ von Patrick Süskind. Wer dieses Buch gelesen hat, könnte in etwa Bescheid wissen, wie es dort gerochen hat. Endlich in unserer Anlage angekommen, bekamen wir von dem ganzen Trubel und dem Gestank nicht mehr viel mit. Die knappe Woche in St. Louis sollte eigentlich dazu genutzt werden in einer Schule den, durch den Verein ermöglichten, Strom anzustellen und weitere Materialien abzuliefern. Es war sehr schwer einen passenden Termin für dieses Unterfangen festzulegen, da der Schulleiter des Öfteren außer Haus war und die Kommunikation auch relativ schwer fiel. Wie gesagt, in Afrika läuft nicht immer alles nach Plan. Leider mussten wir abreisen ohne persönlich den Strom einschalten zu können. Es ist traurig, dass wir nicht dabei sein konnten, aber trotz alledem hat die Schule nun Strom, da Vertreter des Vereins vor Ort dies für uns erledigen konnten. In der Zeit, die nicht für vereinstechnische Dinge eingeplant war, konnte man die Innenstadt erkunden und, was mir besonders gefiel, aufgrund der Lage einen sehr schönen Sonnenuntergang erleben.

 An einem Abend waren wir bei Abdoul’s Familie zum Essen eingeladen. Diese lebte in einem Vorort von St. Louis, den man mit dem Auto gut erreichen konnte. Wir aßen leckeres Thieboudienne Rouge, welches aus rotem Reis mit Fisch besteht und das Senegalesische Nationalgericht ist. Wir kamen in ein Haus in dem viele, viele Kinder ein und ausgingen. Wer nun zur Familie gehörte und wer nicht war schwer zu sagen. Trotzdem kamen alle und begrüßten uns, indem sie uns die Hand schüttelten. Sogar die kleinsten unter ihnen streckten uns die Händchen entgegen. Mir fiel immer wieder auf, wie nett und freundlich wir von allen begrüßt und aufgenommen wurden. Die Senegalesen sind sehr gastfreundlich und immer darauf bedacht, dass es einem an nichts fehlt. So wurden wir auch dieses Mal mit Gebäck und Getränken empfangen. Ich war total begeistert von Abouls Familie und mir gefiel es so nah dran am richtigen Leben, wie sie es dort lebten, zu sein. Dieser Abend war und ist einer meiner liebsten der ganzen Reise.

 

Bald mussten wir auch von St. Louis wieder Abschied nehmen und wieder  -PalimPalim - nach Dakar zurück reisen. Wir verbrachten eine Woche in der Großstadt, die zu letzten organisatorischen Dingen und Erledigungen genutzt wurde. Die Woche war sehr schnell um, da wir jeden Tag einen vollen Terminkalender abzuarbeiten hatten. Des Öfteren besuchten wir die Schule in Ouakam, worauf ich mich immer sehr freute. Für den Ausbau der Schule musste eine Baugenehmigung eingeholt werden und so statteten wir dem Bürgermeister einen Besuch ab. Dieses Ereignis fand ich besonders spannend, da es mich sehr interessierte wie es in einer Bürgermeisterei in Dakar City wohl aussehen würde. Uns erwartete ein unfertiges, wenn auch ziemlich großes und gut gebautes Haus. Im Gegensatz zum Büro des Bürgermeisters war alles einfach gestaltet, doch jenes war sehr prunkvoll dekoriert, mit langen, dunkelroten Samtvorhängen, goldenen Verzierungen und Bildern an den Wänden, die ihn in herrschaftlichen Posen zeigten. Als alles bezüglich der Baugenehmigung geklärt war, machten wir noch ein paar Bilder, um unser Zusammentreffen zu dokumentieren.

Nachdem wir gegangen waren, war ich sehr froh aus dem auf 18 Grad runter gekühlten Zimmer raus zu sein, trotzdem möchte ich diesen, etwas abstrusen, Besuch beim Bürgermeister nicht missen.

Der „Hilfe für den Senegal Verein“ kümmert sich nicht nur um eigene Projekte, sondern unterstützt oder besucht auch inländische Projekte. So besuchten wir ein Projekt, in dem Straßenkindern, jeden Sonntag in eine Werkstatt kommen, um das Töpfern zu erlernen. Dieses Projekt macht besonders, dass auch taubstumme Kinder gefördert werden. Beim Besuch dieser Werkstatt wurde mir von einem der Schüler geholfen, selber etwas zu töpfern und danach mit dem Zahnstocher zu verzieren. Ich war total begeistert von der Behutsamkeit mit der er meine Finger führte und sich so mit mir verständigte, auch wenn wir nicht miteinander sprechen konnten. Ich freue mich darüber, dass mein kleiner Topf, den ich höchst persönlich, wenn auch mit ein bisschen Hilfe, getöpfert und natürlich signiert habe, jetzt in einer kleinen Werkstatt mitten in Dakar steht.

Die Tage oder Nachmittage, an denen es nichts zu tun gab, verbrachten wir am Strand in Ouakam oder auf der Ile de Ngor, welche nur mit einem kleinen, überfüllten Boot zu erreichen war. Am letzten Tag in Dakar verabschiedeten wir die restliche Gruppe, welche wieder zurück nach Deutschland reiste. Yanik und ich blieben als letzte noch vier Tage länger und besuchten mit Siggi eine Freundin in Salí.

 

PalimPalim - jetzt war nur noch Strand und Entspannung angesagt, welche wir uns nach dieser abenteuerlichen Reise redlich verdient hatten. Tagsüber lagen wir Bücher lesend in der Sonne und abends gingen wir gemütlich etwas essen. An einem Abend gerieten wir sogar auf eine kleine Veranstaltung auf der gesungen und getanzt wurde. Sigi und ich schwangen natürlich sofort das Tanzbein. Doch auch diese paar Tage blieben nicht ungenutzt. Wir besuchten eine Schule im Nachbarort, die genau das verwirklichen konnte, was der Verein gerade versucht auf die Beine zu stellen. In einem mehrstöckigen Gebäude werden Kinder und Jugendliche von der Vorschule bis in höhere Klassen unterrichtet. Zu ihnen gehören auch taubstumme Kinder und Jugendlichen. Diese werden zwar getrennt unterrichtet, es wird aber sehr viel Wert auf die Integration gelegt. Sigi konnte hier viele Inspirationen für das eigene Projekt sammeln und auch für uns andere war es ein schönes Erlebnis zu sehen, wie das ganze mal aussehen und funktionieren könnte, wenn es fertig ist.

Für mich waren diese letzten Tage noch einmal ziemlich spannend, weil wir weder einen Fahrer noch ein Auto zur Verfügung hatten und somit auf uns alleine gestellt waren.

 

Deshalb mussten wir – PalimPalim - mit dem Taxi zurück nach Dakar, was sich aufgrund des Fahrstils der Senegalesen als kleines Abenteuer herausstellte. In Dakar bewegten wir uns auch entweder mit dem Taxi oder mit offenen Kleinbussen, die Karabit genannt werden und brechend voll sind. Mit dieser letzten Erfahrung kann ich sagen, dass ich so ziemlich jede gemacht habe, die ich hätte machen können. Vom Festessen in Barafaye über die Fahrt durch Gambia, die etliche Grenzkontrollen und viele Nerven brauchte, bis hin zu der Busfahrt im überfüllten Karabit, deswegen war ich auch umso trauriger, wieder im Flieger nach Deutschland zu sitzen, den Kopf voller wunderschöner Erinnerungen.

 

Wenn ich auf diesen Monat zurückblicke, würde ich ihn als ein einziges großes Abenteuer bezeichnen. Ich habe so viele neue Menschen und Lebensweisen kennengelernt und vor allem das Wesen der Senegalesen hat mich sehr beeindruckt. Das besondere an einer Reise mit Sigi und Abdoul ist, dass man den Senegal nicht nur oberflächlich, sondern wahrhaftig kennenlernt. Man geht in die Familien, isst mit ihnen oder übernachtet sogar dort. Dabei wird man immer herzlich empfangen und aufgenommen. Für jeden der sich für ein fremdes Land und dessen Kultur, vor allem aber für die Arbeit des Vereins interessiert, ist diese Reise sehr empfehlenswert. Da Sigi nun schon seit zehn Jahren den Senegal bereist, konnte sie uns viel über die Bräuche und Sitten, aber auch über die Geschichten des Senegals erzählen und ich habe viel von ihr lernen können. Sie hatte zu jeder Frage eine Antwort und hat die Wünsche jedes Einzelnen von uns berücksichtig, um uns möglichst viele gute Erinnerungen zu bescheren. Auch Abdoul, der uns nicht nur überall hingefahren und begleitet hat, hätte uns kein besserer Ansprechpartner sein können, für alles was die senegalesischen Denkweisen und Umgangsarten angeht. Mit diesen beiden Reiseführern ist eine aufregende und eindrucksreiche Reise garantiert.

Noemi Drabant Pérez

Ein vielversprechender Anfang 

Zum Jahresbeginn besuchte ich mit einer kleinen interessierten Gruppe, geführt von Sigi Bordon und ihrem Mann Abdul, die Projekte des Vereins „Hilfe für den Senegal“.

Zu den eindrücklichsten Erlebnissen gehörte für mich der Besuch in der neuen (Vor)Schule in Dakar.

Was Aida, die Leiterin, dort seit Anfang Dezember auf die Beine gestellt hat ist toll. Schon von außen lädt die farbenfrohe Bemalung zum Wohlfühlen ein.

Die angemietete Wohnung im Erdgeschoß ist mit ca. 80 qm überraschend groß, mit dem Nötigsten ausgestattet und liebevoll mit wenigen Mitteln kinderfreundlich eingerichtet.

Neben einer kleine Küche, gibt es einen abgeteilten Schlafplatz und eine Toilette mit einigen bunten Töpfchen. Im Innenhof wird eine Dusche vielfältig genutzt.

 Quasi über Nacht hat sich bei den Müttern im Viertel herumgesprochen „hier gibt es Betreuung und Förderung für mein Kind– auch für Kinder mit Handicap!!! Was für ein Glück!!! 

Bei unserem Besuch waren zehn Kinder anwesend, darunter ein Mädchen mit Down Syndrom und ein Junge mit spastischer Beeinträchtigung. Sie saßen einträchtig mit ihren Spielkameraden um den Kindertisch. Aida und eine Mitarbeiterin hatten Fotokopien verteilt, die Früchte wurden eifrig ausgemalt. Zwei ganz kleine Mädchen blieben lieber auf dem Arm der Betreuerin. Die großen weißen Menschen waren ihnen (noch) nicht ganz geheuer.

Das könnte beim nächsten Besuch schon ganz anders sein, dank eines vielversprechenden Anfangs! 

 

 

Irene Schmidtmer (Lehrerin im Ruhestand)


Die Einweihung

Nach einer geschlagenen Stunde Wartens an einer der maroden Ausfallstraßen Ziguinchors, setzt sich unser kunterbunter Konvoi, warnblinkend in Richtung Barafaye in Bewegung.

Unsere duschvorhangartigen, grünen Kleider kleben am Körper, den Kopf wärmt unnötigerweise eine Foulha, eine traditionell senegalesische Kopfbedeckung. Mit dem ebenso giftgrünen Plastikfächer „Made in China“ fächeln wir uns Luft an alle möglichen, schwitzenden Stellen. Der Wasserbedarf ist groß, analog zur Vorfreude und Neugierde.

Die Regel, dass Pünktlichkeit die Höflichkeit der Könige sei, scheint auch in Afrika zu herrschen. Für Bürgermeister, Minister, Presse und Fußvolk gilt sie wohl nicht. Wahrscheinlich ist sie eher ein Privileg.

Mit fast zweistündiger Verspätung erreichen wir das Dorf Barafaye, nachdem des Ministers Auto eine Panne hatte. Nur eine, denke ich überrascht, angesichts der Überholungsbedürftigkeit der meisten senegalesischen Vehikel.


Unsere Begrüßung ist überwältigend, ein Spalier von Honoratioren aus Stadt und Land begrüßt uns warmherzig und überschwänglich. Ein Strom von Dorfbewohnern geleitet uns tanzend zu einer Tribüne, wo uns die Ehrenplätze in der ersten Reihe angeboten werden. Zahlreiche Film-, Kamera- und Handyobjektive werden auf uns gerichtet, wohl keine von uns ist jemals so oft abgelichtet worden. Hoffentlich sitzt die Foulha!

Wir fotografieren zurück, die farbenfrohen Delegationen tanzender Frauen, die aus dem nahen und fernen Umland angereist sind.

Vor den Kulissen der neuen Krankenstation nutzen die zahlreichen Redner, die Gelegenheit Lobendes und Mahnendes langatmig loszuwerden, soviel können wir erkennen, der Rest bleibt hinter dem Schleier des Nichtverstehens verborgen. Auch vom Wahlkampf bleibt keiner verschont und so mischt sich mitunter ungeduldiges Trommeln in die Reden der Anwesenden, die zu abwechslungsreichen Tanzeinlagen auffordern.

Ein bedrohlicher Gorilla unterhält das Publikum mit wildem Tanz, wobei er die Umsitzenden immer wieder herausfordert.

Zwei wildgewordene Heuhaufen stacheln die Menschen, insbesondere ein Rotte junger, singender Männer zu weiteren Ausbrüchen an. Der Sinn des Ganzen erschließt sich uns nicht, dafür sind wir umso faszinierter.

Zur offiziellen Eröffnung strömt die Menge in die kleine Station. Frauen ergreifen gerührt unsere Hände, beschämen uns ein wenig mit ihrer Dankbarkeit und Wärme. Keine von uns hatte ein solch aufrichtiges Ausmaß an Freude und Dankbarkeit erwartet, keine geahnt welche Bedeutung eine so kleine Krankenstation für die Menschen hier haben könnte.

Jedes Zimmer wird neugierig beäugt, die karge Einrichtung, die aus größtenteils alten Beständen deutscher Krankenhäuser besteht, bewundert.

Ein Festmahl wird auf breiten Teppichen unter den Bäumen serviert, beruhigt unsere aufgeregten, hungrigen Mägen. In großen Schüsseln wird es herbeigetragen, wir bedienen uns mit Händen und Löffeln, die uns als Weiße freundlicherweise gereicht werden.

Danach müssen wir tanzen, einen wilden, ungehemmten Tanz, der uns schwer fällt, wir variieren mitteleuropäisch, was uns viele fröhlich lachende Gesichter einträgt. Das Trommeln steckt an und wir lachen zurück!

Es ist ein wunderbarer Tag, voller Sinn, Wärme und tiefster Zufriedenheit, dort unter den Bäumen, wo wir Walzer und Rumba tanzen, um unsere neuen afrikanischen Freunde zu unterhalten.


Ein erstes Kind ist hier geboren unter dem schützenden Dach der Station, in der Nacht zu Eröffnung. Es schreibt schon jetzt Dorfgeschichte.


Dakar

Denke ich an Dakar, fallen mir spontan zwei Worte ein:

Nuancen und Kontraste.

Die zarten Farben der Morgenfrische, die über der Stadt liegt, werden im Laufe des Tages kräftiger, doch immer behalten sie einen dunstigen Charakter. Selbst das Blau des Meeres scheint immer ein wenig lichter zu sein, als ich es von dem hohen Norden gewohnt bin.

Palmen bedecken die hellen Sandstrände der Stadt, laden zum Faulenzen, Genießen und Spielen ein.

Die Landschaft um die Stadt erstreckt sich weit und flach in pastelligen Tönen, einzig die vielen blauen Mülltüten malen kräftige Tupfer in die Ränder der Straßen. Die Baobab-Bäume und weiter im Süden die gewaltigen Fromagebäume strecken und recken sich undefiniert dunkel in den Raum, wie markante Wegweiser, Begleiter, Orientierungshilfen.

Je weiter man schaut, umso mehr verliert sich die Landschaft in Leichtigkeit, fast wie eine Nicht-Landschaft.


Die Stadt selbst birgt in ihrer Sprudeligkeit starke Kontraste. Besucht man die Innenstadt, so ist es eine wie viele mit ihren Repräsentationsbauten, dem Hafen, modernen Bürogebäuden, zwischen denen eifrige Geschäftigkeit die Menschen von hier nach dort treibt.

Stattliche Afrikaner in wallenden Gewändern, Schwarze und Weiße in Business-Suites, daneben Chinesen, Libanesen und solche, die man gerne fragen würde, wo sie denn herkämen.

Dazwischen pure Armut, getarnt als Geschäftigkeit. Schuhputzerjungen, die an den Ecken nach Kundschaft Ausschau halten, schöne und alte Frauen in afrikanischen Kleidern, die wortreich ihre Erdnüsse und Cashewkerne anbieten. Überhaupt scheint der Handel mit Nahrung, Frauensache zu sein. Die Männer, mit kleinen Mappen in den Händen, der silbernen Schmuck birgt, suchen ebenfalls nach zahlungswilligen Käuferinnen.

Unvermutet Kunst, überall, versteckt und offensichtlich, monumental bis archaisch, als Beweis für Kreativität und Größenwahn.


Der Fischerhafen mit seinen buntbemalten Piroggen ist ein Erlebnis für sich und nichts für schwache Geruchsnerven. Hier findet man alles, was das Meer vor Ort fangfrisch zu bieten hat, sogar Barakudas gibt es hier zu kaufen. Mit großen Wedeln beschützen die Marktfrauen ihre Ware vor den allgegenwärtigen Fliegen.


In den Vororten der Stadt ändern die Kontraste ihren Charakter. Die großen Bauten, mit ihren befestigten Straßen und Bügersteigen weichen mehr und mehr staubigen Straßen, gesäumt von niedrigen Buden und Ständen, gefüllt mit Waren und Lebensmitteln. Kleine Läden mit provisorisch anmutenden Auslagen, sowie Fertiges und Unfertiges unterstreicht die marode Anmutung der Vorstädte.


Eine gut ausgebaute Stadtautobahn führt vielversprechend zu den doch eher als pistenartig zu bezeichnenden Straßen des Landes. Je weiter weg, desto pistenartiger. Müll begleitet den Weg kilometerlang. Wohnsiedlungen, noch im Bau befindliche, wirken marode und ruinenartig, als habe der Bauunternehmer fluchtartig das Weite gesucht. Resutate einer verfehlten Investitionspolitik und der schwierigen Wirtschaftslage.

Alte Autos sollen durch neue ersetzt werden, um die dieselrußdurchsetzte Stadt sauberer zu halten. Eine solche Maßnahme, in aller Konsequenz durchgesetzt, würde die Straßen der Stadt entvölkern. Welcher Besitzer dieser fragwürden Vehikel wäre überhaupt in der Lage, ein neues Auto zu finanzieren?

Der Verkehr in Dakar ein Spektakel, gestenreich, mit viel Hupen und lauten Worten wird die Vorfahrt geregelt, einen Kreisverkehr in Dakar würde ein Nordeuropäer in die Verzweiflung treiben. Unfertige Brücken inmitten von Straßen sorgen für abenteuerliche Umfahrungen, wer gerne Off-Road unterwegs ist, findet hier sein Paradies, genau wie jeder TÜV-Beamte.



In den staubigen Straßen der Vororte reihen sich zauberhafte Villen, von tropischen Gärten umgeben, neben Bauruinen und schäbige Hütten, dazwischen Schrott, Müll und Geröll, kurz alles, was die Zivilisationsgesellschaft absondert.

Die spitzen Minarette der Moscheen stechen allerorten in den nahen Himmel.


Und über all dem schwebt die märchenhafte Schönheit, strahlenden Lächelns. Kaum zu erklären, doch allgegenwärtig. Ein Gegensatz, dem man sich kaum entziehen kann oder will.